Warum der Getränkeverkauf beim Food Truck nur selten Fahrt aufnimmt.
25.10.2021 / aktualisiert am 05.02.2026
Viele Neugründer gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass Getränke ein fester Bestandteil jedes Food-Truck-Angebots sein müssen.
Schließlich haben sie eine gute Marge, wenig Wareneinsatz und gehören "irgendwie dazu".
In der Praxis sieht das allerdings oft anders aus.
Und genau deshalb verkaufen viele Food Trucks entweder gar keine Getränke – oder nur in sehr begrenztem Umfang.
Warum das so ist, schauen wir uns nüchtern an.
1. Getränkeverkauf ist oft gar nicht erlaubt
Ein zentraler Punkt, der gerne übersehen wird:
Auf vielen Veranstaltungen ist der Getränkeverkauf für Food Trucks untersagt.
Das betrifft unter anderem:
- Streetfood-Festivals
- Konzerte
- Stadtfeste
- größere Firmenevents (hier will man das Ganze entzerren)
Der Grund ist simpel: Getränke sind für Veranstalter hochattraktiv.
Hohe Marge, wenig Aufwand, lange Haltbarkeit. Warum also diese Einnahmen abgeben?
Stattdessen:
- übernimmt der Veranstalter den Getränkeverkauf selbst
- oder vergibt ihn an einen separaten Anbieter, der dafür Standgebühr zahlt
Für Food Trucks bleibt dann: Essen ja, Getränke nein.
2. Getränke sind schwer, sperrig und platzintensiv
Getränke klingen im Kopf immer leichter, als sie in der Realität sind.
Sie sind schwer.
Sie brauchen Platz.
Sie brauchen Kühlung.
Gerade als One-Man-Show im 3,5-Tonner stößt man hier schnell an Grenzen:
- begrenzte Kühlkapazität
- begrenzter Stauraum
- begrenzte Logistik
Mehr als eine überschaubare Menge lässt sich oft gar nicht sinnvoll mitführen.
Für größere Caterings bräuchte es:
- zusätzlichen Kühlanhänger
- ein weiteres Fahrzeug
- zusätzliches Personal
Spätestens dann kippt das Verhältnis von Aufwand und Ertrag.
3. Mittagstisch: wenig Nachfrage, hohe Preissensibilität
Beim klassischen Mittagsgeschäft zeigt sich ein ähnliches Muster wie beim Kaffee:
- In vielen Firmen gibt es Getränke kostenlos
- oder sehr günstig vor Ort
- oder sie werden von zu Hause mitgebracht
Eine Limo für 2,50 € am Food Truck?
Das passiert – aber selten.
Je nach Standort lassen sich diese Käufer oft an einer Hand abzählen.
Ausnahmen gibt es an sehr heißen Sommertagen – sie ändern aber nichts am Durchschnitt.
Gute Marge ≠ guter Umsatz
Getränke haben rechnerisch eine gute Marge – keine Frage.
Aber Marge allein reicht nicht.
Entscheidend ist: Wie viele Einheiten werden realistisch verkauft?
Wenn:
- der Verkauf eingeschränkt ist
- die Nachfrage gering bleibt
- der logistische Aufwand steigt
dann wird aus der "guten Marge" schnell ein vernachlässigbarer Umsatzposten.
Fazit
Getränke sind im Food-Truck-Alltag kein Selbstläufer und oft kein echter Umsatztreiber.
- Auf Veranstaltungen meist verboten
- Im Mittagsgeschäft wenig gefragt
- Logistisch aufwendiger als gedacht
Deshalb entscheiden sich viele Food Trucks bewusst dafür:
- Getränke stark zu begrenzen
- oder ganz darauf zu verzichten
Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus wirtschaftlicher Vernunft.
Nicht alles, was theoretisch eine gute Marge hat, trägt auch zum Ergebnis bei.
Im Food-Truck-Workbook lernst du, wie du Angebot, Aufwand und Wirtschaftlichkeit realistisch bewertest – und Entscheidungen triffst, die im Alltag wirklich tragen.
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